Über die Künstlerin

Nina Lanoma

Meine Kunst erinnert daran, dass wir auch im Dazwischen vollständig leben dürfen. Der Warteraum entsteht oft erst in unserem Kopf.

Ich konnte manches nicht sagen. Also habe ich es gemalt.

Zum ersten Mal im Mai 2025.

Es gab Phasen, in denen ich sehr genau gespürt habe, dass sich etwas verändert, ohne schon zu wissen, was daraus wird. Ich konnte darüber reden, ich konnte es zerdenken und kam trotzdem oft nicht an den eigentlichen Punkt.

Musik hat diesen Punkt manchmal schneller getroffen als Worte. Irgendwann wollte ich diese Zustände nicht mehr erklären, sondern ihnen ein Bild geben.

Was mich daran bis heute beschäftigt: In solchen Phasen behandeln wir unser Leben schnell wie einen Warteraum. Erst muss etwas geklärt sein, erst müssen wir wissen, wie es weitergeht. Und bis dahin halten wir irgendwie durch.

Dabei leben wir längst weiter. Wir dürfen uns freuen und gleichzeitig unsicher sein. Nähe wollen und Abstand brauchen. Schmerz tragen und trotzdem Schönheit sehen. Festhalten und uns gleichzeitig schon bewegen.

Genau diese Gleichzeitigkeit taucht immer wieder in meinen Bildern auf. Nicht alles muss erst aufgelöst sein, bevor Leben wieder stattfinden darf.

Stell dir vor, du kommst abends nach Hause, der Tag war voll. Du hast funktioniert. Du hast gelächelt, aber dennoch die ganze Zeit über etwas nachgedacht. Es hat dich begleitet und vielleicht hat es sogar zeitweise dafür gesorgt, dass du dachtest:

“Wenn ich das entschieden habe…” oder “Wenn ich darüber im Klaren bin…” oder “Wenn ich das verarbeitet habe…”, …”dann kann ich endlich wieder mit meinem Leben weitermachen”.

Dann fällt dein Blick auf ein Gemälde. Es ist dasselbe wie gestern. Aber du bist es nicht mehr. Du hast dich verändert.

Heute siehst du vielleicht Ruhe darin, morgen Unruhe. Mal Unsicherheit, mal Sicherheit. Es zeigt Freude und Schmerz. Du siehst, dass all das gleichzeitig da sein darf.

Ohne das eine kann das andere nicht existieren.

Kunst im eigenen Raum bleibt, während du dich veränderst, und sie erinnert dich daran, dass auch ein ungeklärtes Leben längst ein gelebtes ist.

Woher meine Bilder kommen

Musik ist oft ein Auslöser. Ein Song trifft etwas, das schon da ist, und plötzlich taucht ein Bild auf.

Andere Arbeiten kommen viel direkter aus dem Körper. Aus Schmerz, Erschöpfung, Überforderung oder diesem ziemlich nüchternen Umstand, dass das Leben trotzdem weiterläuft.

Termine, Alltag, Nähe, Entscheidungen. Auch dann, wenn körperlich oder mental gerade nichts leicht ist.

Diese Übergänge sind für mich kein Ausnahmezustand. Sie gehören zum Leben. Körperlich, mental, manchmal beides gleichzeitig.

Meine Bilder entstehen deshalb aus Nähe und nicht aus Beobachtung. Ich male nichts, das ich mir von außen anschaue und anschließend in eine Szene übersetze. Vieles davon kenne ich selbst.

Es ist gelebte Wahrheit.

Und genau das landet am Ende im Bild: nicht nur Schmerz oder Unsicherheit, sondern auch das Leben, das währenddessen trotzdem weitergeht. Die Momente, in denen wir jene Klarheit darüber haben, wo wir gerade stehen und erkennen, dass wir mit all dem sein dürfen.

Aktuelle Serie

Notes of Escape

Ein Bild kann nichts für dich entscheiden. Aber es kann dir zeigen, dass du nicht erst Klarheit brauchst, um bei dir zu bleiben. Was zählt ist die Klarheit im Dazwischen.


Künstlerische Übersetzungen von Übergangszuständen


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