Notes of Escape
Die Erkannte
Man kann sehr viele Worte finden und sich trotzdem immer weiter von dem entfernen, was man eigentlich längst weiß. Irgendwann verändert sich die Frage.
VERFÜGBAR
Öl auf Leinwand - 80 × 60 cm - gerahmt
2026
€ 750,00
„Die Erkannte“ hält den Moment fest, in dem du aufhörst, dich immer weiter erklären zu müssen, nur damit etwas in dir überhaupt gelten darf.
Im Raum kann das Werk immer wieder daran erinnern, dass Klarheit nicht daraus entsteht, alles für andere verständlich zu machen, sondern auch daraus, bei dem zu bleiben, was du selbst längst weißt. Gerade die ruhige Präsenz der Figur kann diesen Punkt immer wieder zurückholen, ohne ihn größer zu machen, als er ist.
Die Geschichte hinter dem Werk kannst du weiter unten nachlesen.
Wenn du mehr über das Original oder einen möglichen Erwerb wissen möchtest, schreib mir gerne.
Um 18:42 Uhr blieb ich stehen.
Vor mir lag das geschnittene Gemüse, bereit für die Pfanne. Das Öl darin begann bereits zu brutzeln. Eigentlich sollte es einfach ein gesundes Abendessen geben.
Im Hintergrund lief „La Llorona“ von Chavela Vargas. Dann kam diese eine Passage.
Ich bekam Gänsehaut und mir stiegen die Tränen hoch. In der Stimme lag so viel Schmerz, dass ich ihn beinahe körperlich gespürt habe. Aber während ich zuhörte, fiel mir noch etwas anderes auf.
Der Schmerz machte diese Frau nicht kleiner. Da war gleichzeitig etwas Würdevolles in ihrer Stimme. Nichts daran klang danach, als müsste dieser Schmerz erklärt, abgeschwächt oder für irgendjemanden verständlicher gemacht werden.
Und irgendwann musste ich lächeln, weil mir in diesem Augenblick etwas klar wurde.
Ich hatte mich selbst in den Wochen davor immer weiter erklärt. Was ich fühlte. Warum ich so reagierte. Warum etwas wehtat. Warum ich gerade nicht anders konnte.
Mit jedem weiteren Satz hoffte ich, irgendwann an den Punkt zu kommen, an dem es wirklich ankommt.
Also wurde ich genauer. Dann noch genauer. Bis ich irgendwann besser darin war, mein Gefühl zu erklären, als einfach bei ihm zu bleiben.
Während ich dort in der Küche stand, hörte ich plötzlich etwas in dieser Stimme, das mir selbst gerade gefehlt hatte.
Schmerz und Würde konnten gleichzeitig da sein.
Das eine musste das andere nicht kleiner machen. Und vielleicht musste auch ich nicht immer noch einen Satz finden. Noch ein Beispiel. Noch eine Begründung.
Das Öl brutzelte inzwischen weiter in der Pfanne. Fast im selben Moment hörte draußen der Regen auf. Die Sonne kam heraus und fiel in den Wintergarten.
Ich weiß noch, wie merkwürdig passend mir dieser Wechsel vorkam. Nicht, weil damit plötzlich irgendetwas gelöst gewesen wäre. Das war es nicht.
Aber etwas hatte sich verschoben.
Ich stand immer noch in derselben Küche. Die Dinge, über die ich vorher nachgedacht hatte, waren noch da. Und trotzdem fühlte es sich anders an.
Loslassen ist nicht automatisch Verlust. Und Erklären darf nicht das Ziel sein.
Aus diesem Moment entstand „Die Erkannte“.
Vielleicht kennst du dieses Bedürfnis, noch genauer werden zu müssen. Du erklärst nicht unbedingt, weil dir selbst unklar wäre, was du fühlst. Du erklärst, weil du willst, dass es beim anderen endlich so ankommt, wie es in dir gemeint ist.
Also suchst du nach besseren Worten.
Und irgendwann merkst du, wie viel Kraft genau darin verschwindet. Meistens nicht in dem Gefühl selbst, du verlierst die Kraft im ständigen Übersetzen. Denn nicht alles lässt sich so lange auseinandernehmen, bis es für jeden eindeutig wird. Und nicht jeder Schmerz braucht erst eine gute Begründung, um wahr zu sein.
Bei „Die Erkannte“ wollte ich deshalb keine Frau malen, die endlich alle Antworten gefunden hat.
Auch keine, die plötzlich unberührbar über den Dingen steht. Sie sitzt einfach da. Frontal. Ruhig. Mit einem Blick, der nicht ausweicht. Und während sie bleibt, beginnt sich etwas anderes zu verändern. Ihr helles Kleid löst sich im Wasser auf. Die feste Form verschwindet langsam in der dunkleren Umgebung. Die Frau selbst tut das nicht. Sie bleibt sichtbar. Sie bleibt da. Genau deshalb bedeutet der Titel für mich heute auch etwas anderes, als man im ersten Moment vielleicht vermuten würde.
„Die Erkannte“ ist nicht einfach die Frau, die endlich von jemand anderem vollständig erkannt wurde.
Für mich ist sie vor allem die Frau, die aufhört, sich selbst aus dem Blick zu verlieren, während sie versucht, verstanden zu werden.
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