Notes of Escape

Die Seiltänzerin

Etwas wirklich zu wollen macht die nächsten Schritte nicht automatisch leichter. Vor allem dann nicht, wenn frühere Erfahrungen noch mitentscheiden.

VERFÜGBAR

Acryl auf Leinwand - 60 × 40 cm - gerahmt

2025

€ 450,00

„Die Seiltänzerin“ hält die Spannung zwischen dem Wunsch nach Veränderung und der Angst vor dem fest, was sich dafür verändern könnte.

Im Raum kann das Werk immer wieder an genau diesen Punkt zurückführen, an dem Vorfreude, Unsicherheit und alte Erfahrungen gleichzeitig mitreden, ohne dass daraus sofort eine Entscheidung werden muss. Gerade darin liegt seine Wirkung: Es lässt diesen Widerspruch stehen, statt ihn aufzulösen.

Die Geschichte hinter dem Werk kannst du weiter unten nachlesen.

Wenn du mehr über das Original oder einen möglichen Erwerb wissen möchtest, schreib mir gerne.

Ich wollte mir gerade einen Kaffee machen.

Später hatte ich ein Treffen, auf das ich mich freute. Es war 16.11 Uhr, die Sonne fiel durchs Fenster und „Bluebird“ von Lana Del Rey lief.

Dann blieb ich an einer Zeile hängen.

Sie brachte mich auf etwas, das ich eigentlich gut kannte. Dieses merkwürdige Tempo, mit dem Vergangenes wieder in der Gegenwart auftauchen kann. Eben freust du dich noch auf etwas und kurz danach fängst du an nachzudenken.

Was könnte schiefgehen? Ist das wirklich eine gute Idee? Will ich das tatsächlich? Was, wenn ich mich irre? Aus einem ziemlich klaren Ja wird auf einmal ein Vielleicht.

Genau so ging es mir an diesem Nachmittag. Aus der Vorfreude wurde Unsicherheit, dann kam das Gedankenkarussell dazu. Und irgendwann stand ich da, wollte eigentlich nur Kaffee machen und fragte mich, warum das, was längst hinter mir lag, immer wieder so viel darüber entschied, was ich heute tat.

Ich wollte weitergehen. Nicht im Sinne von alles hinter mir lassen und nie wieder zurückschauen. Ich wollte einfach öfter das tun können, was ich wirklich wollte. Ja sagen, wenn es sich nach Ja anfühlt. Eine Gelegenheit nicht schon vorher zerdenken, nur weil ich nicht wissen konnte, was daraus werden würde.

Und gleichzeitig wusste ich, warum ich vorsichtig war. Das ist ja das Schwierige daran.

Vergangene Erfahrungen können schützen. Sie können einen davor bewahren, denselben Fehler noch einmal zu machen. Aber irgendwann habe ich mich gefragt, ob ich mich immer noch schützte oder ob ich inzwischen auch Dinge nicht tat, die ich eigentlich erleben wollte.

Irgendwo in diesem Gedanken tauchte zum ersten Mal „Die Seiltänzerin“ auf.

Noch nicht so, wie sie heute aussieht. Ich sah eher eine verschwommene Silhouette.

Vielleicht kennst du so einen Moment. Du willst eigentlich Ja sagen und trotzdem fängst du an, dieses Ja wieder auseinanderzunehmen. Du gehst durch, was du verlieren könntest, was sich verändern würde und ob du hinterher bereust, überhaupt etwas angerührt zu haben.

Und irgendwann weißt du nicht mehr so genau, ob du gerade vernünftig vorsichtig bist oder ob die Angst längst einen Teil der Entscheidung übernommen hat.

Der Wunsch ist deshalb nicht weg. Vielleicht willst du die Veränderung immer noch. Vielleicht dieses eine Treffen. Einen anderen Job. Eine andere Beziehung zu jemandem. Oder einfach eine andere Art, dein eigenes Leben zu führen.

Nur gibt es eben keine Garantie, dass das, was danach kommt, besser wird. Genau deshalb wollte ich nicht, dass die „Die Seiltänzerin“ ein Bild über Mut darstellt oder sie so wirkt. Sie zeigt etwas viel wesentlicheres.

Wenn du ihre Füße ansiehst, steht sie nicht auf festem Boden. Sie balanciert auf Notenlinien. Sie führen zurück zu dem Song, mit dem das Bild angefangen hat. Vor ihr steht eine offene Tür. Was dahinter liegt, kann sie nicht sehen. Unter ihr ist Wasser.

Nichts im Bild verspricht ihr, dass sie richtig liegt. Die Tür öffnet sich nicht in ein sichtbar besseres Leben und die Notenlinien werden auch nicht plötzlich breiter, nur weil sie sich entschieden hat, darauf zu gehen.

Sie muss weiter balancieren. Vielleicht war genau das der Punkt, den ich an diesem Nachmittag noch nicht richtig formulieren konnte.

Ich wollte ein anderes Leben an manchen Stellen sehr deutlich. Gleichzeitig hatte ich Angst vor dem, was ich dafür verändern müsste.

Beides war wahr. Und vielleicht muss genau das manchmal erst einmal reichen.

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