Notes of Escape
Die Suchende
Nicht jede offene Frage verlangt sofort nach einer Entscheidung. Schwieriger wird es dort, wo die Unklarheit beginnt, auch den Rest des Lebens festzuhalten.
VERFÜGBAR
Acryl auf Leinwand - 60 × 40 cm - gerahmt
2026
€ 500,00
„Die Suchende“ bleibt bei einem Moment, in dem noch nicht klar ist, wohin es geht, aber innerlich nicht mehr alles stillsteht.
Im Raum kann das Werk immer wieder daran erinnern, dass Klarheit nicht gleich bedeutet, schon den ganzen Weg kennen zu müssen. Es lässt genug offen, damit die eigene Situation darin Platz hat, ohne schon eine Richtung vorzugeben.
Die Geschichte hinter dem Werk kannst du weiter unten nachlesen.
Wenn du mehr über das Original oder einen möglichen Erwerb wissen möchtest, schreib mir gerne.
Je länger ich in dieser Nacht nach einer Antwort suchte, desto weniger wusste ich.
Es war Januar, weit nach 02.00 Uhr. Draußen schneite es leicht und im Zimmer brannte nur noch die kleine Schreibtischlampe. Ich konnte nicht schlafen, obwohl es eigentlich nichts mehr zu erledigen gab. Also saß ich am Schreibtisch und ging dieselben Möglichkeiten immer wieder durch.
Irgendwann öffnete ich kurz das Fenster. Die Kälte kam sofort herein. Als ich ausatmete, konnte ich meinen Atem sehen. Für ein paar Sekunden stand ich einfach da, während draußen der Schnee durch die Dunkelheit fiel. Dann schloss ich das Fenster wieder, setzte mich hin und war mit meinen Gedanken genau dort, wo ich vorher gewesen war.
Was, wenn ich die falsche Entscheidung treffe? Was, wenn ich etwas verändere, das sich später nicht mehr zurücknehmen lässt?
Ich hätte am liebsten vorher gewusst, was jede Möglichkeit nach sich zieht. Nicht unbedingt, weil ich eine fertige Lösung brauchte. Ich wollte nur irgendeinen Hinweis darauf, dass mein Leben noch nicht zu Ende entschieden war.
Ich dachte, diese Nacht würde mit denselben Fragen enden, mit denen sie begonnen hatte. Tat sie nicht. Irgendwann lief „Apocalypse“ von Cigarettes After Sex.
Der Song hat keine meiner Fragen beantwortet. Ich wusste danach nicht plötzlich, was richtig war. Aber während er lief, veränderte sich etwas in meinem Kopf. Vor mir lag der kleine Lichtkegel der Schreibtischlampe. Der Rest des Raumes blieb dunkel. Und plötzlich sah ich dieses Bild.
Eine Frau vor einer Treppe. Oben kein weit geöffneter Ausgang. Nur ein Schlüsselloch. Vielleicht spielte das Licht vor mir dabei mit hinein. Dieser kleine helle Bereich mitten in einem ansonsten dunklen Raum. Man konnte etwas sehen, aber eben längst nicht alles. Genau so fühlte sich die Situation an.
Ich brauchte eigentlich keinen Blick auf den ganzen Weg. Ich wollte nur wissen, dass hinter all diesen offenen Fragen noch etwas lag. Dass mein Leben nicht an dieser einen Entscheidung hing und auch nicht warten musste, bis ich jede mögliche Folge verstanden hatte.
So entstand die erste Idee zu „Die Suchende“.
Vielleicht kennst du dieses Warten auf den Moment, in dem endlich klar wird, was richtig ist. Du prüfst Möglichkeiten, gehst die Folgen durch und fängst wieder von vorne an. Besonders dann, wenn eine Entscheidung etwas verändern könnte, das sich später nicht einfach zurückdrehen lässt.
Nach außen läuft das Leben dabei weiter. Termine finden statt. Tage gehen vorbei. Man erledigt Dinge, redet mit Menschen, macht Pläne. Und trotzdem kann es sich innerlich anfühlen, als wäre irgendwo die Pausetaste gedrückt. Als könnte das eigentliche Leben erst weitergehen, wenn diese eine Frage endlich beantwortet ist. Ich kenne diesen Zustand gut.
Und ich glaube, genau deshalb wollte ich bei „Die Suchende“ keinen offenen Ausgang malen.
Die Treppe führt nach oben, aber am Ende wartet keine Tür, die schon weit offensteht. Da ist nur dieses Schlüsselloch. Dahinter Licht, aber kein vollständiger Blick auf das, was kommt. Die Figur kann erkennen, dass dort etwas ist. Mehr bekommt sie nicht. Auch der Efeu ist noch da. Er wächst über die Stufen und bis an ihre Beine. Das Alte verschwindet nicht einfach, nur weil sie sich bewegt. Es gehört noch zu diesem Weg, ohne schon festzulegen, wo er endet.
Vielleicht ist das für mich inzwischen der wichtigste Teil des Bildes. Die Treppe endet nicht mit einer Antwort. Sie endet mit einem Ausschnitt.
Genug, um zu sehen, dass es weitergehen kann. Nicht genug, um schon zu wissen, wohin.
Noch bleibt offen, wohin der Weg führt. Aber er endet nicht hier.
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