Notes of Escape
Die Unnahbare
Es kann lange funktionieren, eine bestimmte Version von sich selbst zu sein. Bis irgendwann die Frage auftaucht, wer eigentlich bestimmt, wie viel davon noch bleibt.
VERFÜGBAR
Öl auf Leinwand - 70 × 50 cm - gerahmt
2026
€ 600,00
„Die Unnahbare“ hält die Spannung zwischen Sichtbarkeit und selbst bestimmter Distanz offen.
Im Raum kann das Werk immer wieder die Frage zurückbringen, wie viel von dem, was andere von dir sehen, tatsächlich du selbst bist und wie viel davon eine Rolle, die längst selbstverständlich geworden ist. Gerade der direkte Blick der Figur macht diese Spannung präsent, ohne sie aufzulösen.
Die Geschichte hinter dem Werk kannst du weiter unten nachlesen.
Wenn du mehr über das Original oder einen möglichen Erwerb wissen möchtest, schreib mir gerne.
Es war einer dieser Julitage, an denen die Hitze irgendwann überall zu stecken scheint. Draußen waren 34 Grad, die Luft stand und es roch schon nach Gewitter.
Ich hatte mir für den Nachmittag vorgenommen, mein Arbeitszimmer umzuräumen. Der Raum sollte zum Atelier werden. Der PC stand noch auf seinem Platz, aus der Box dröhnte „Lola Montez“ von Volbeat und ich schleppte die Staffelei ins Zimmer.
Dabei fiel mein Blick in den Spiegel. Dieses erschöpfte Lächeln kannte ich. Nicht dramatisch. Eher eines von diesen Gesichtern, bei denen man selbst ziemlich genau weiß, dass das Lächeln gerade noch seinen Job macht. Ich stand da mit der Staffelei in der Hand und dachte: Ich will wieder selbst bestimmen, wie ich lebe.
Viel länger konnte ich darüber erst einmal nicht nachdenken, weil ich mit der Staffelei prompt am Türrahmen hängen blieb. Ich jonglierte dieses sperrige Ding irgendwie durch die Tür, bekam es an seinen Platz und musste lachen.
Der PC stand immer noch da. Und plötzlich passte er ziemlich gut zu etwas, das ich gerade loswerden wollte. Nicht zu meinem Beruf. Ich wollte meine Arbeit nicht abschaffen und auch nicht so tun, als wäre alles daran falsch gewesen. Es ging um diese Version von mir, die ziemlich zuverlässig wusste, was von ihr erwartet wurde. Die funktionierte, Verantwortung übernahm, Dinge zusammenhielt und darin irgendwann so geübt war, dass kaum noch auffiel, wie oft sie einfach die Rolle einnahm, die gerade gebraucht wurde.
Während Volbeat weiterlief, kam mir diese etwas merkwürdige Frage:
Wie konnte ich Lola werden, ohne Lola zu werden?
Ich wollte schließlich nicht plötzlich jemand anderes sein. Genau davon hatte ich langsam genug. Mich faszinierte etwas anderes an dieser Figur. Die Vorstellung, die eigene Geschichte zu schreiben und nicht zuerst zu prüfen, ob man noch in die Version passt, die andere von einem kennen.
Nur wäre auch das schnell wieder zur nächsten Rolle geworden. Zur Frau, die jetzt besonders frei, unangepasst oder unabhängig zu sein hat.
Also ließ ich den PC stehen und fing an zu zeichnen. Die erste Skizze war grob und anatomisch ziemlich zweifelhaft. Eigentlich genau die Sorte Zeichnung, bei der man mit etwas Abstand denkt: Das muss noch mal. An diesem Nachmittag war mir das egal. Sie musste nichts erfüllen. Nicht besonders gut sein und auch niemandem beweisen, dass ich jetzt plötzlich etwas anderes war.
Während ich zeichnete, zog draußen das Gewitter näher. Der Wind kam auf und bewegte die heiße Luft endlich durch den Raum. Ich weiß noch, wie gut sich das angefühlt hat, obwohl gleichzeitig diese Unsicherheit da war.
Denn eine Rolle kann unbequem werden und trotzdem Halt geben. Solange ziemlich klar ist, wer du für andere bist, musst du manche Fragen über dich selbst gar nicht so genau beantworten. Erst wenn diese Rollen anfangen zu rutschen, wird es interessanter. Und manchmal ziemlich unangenehm.
Aus diesem Nachmittag entstand „Die Unnahbare“.
Vielleicht kennst du die andere Seite davon. Menschen wissen ziemlich genau, wer du für sie bist. Die Verlässliche. Die, die anruft, noch einmal nachfragt und eine Verbindung hält, auch wenn sie längst anstrengend geworden ist.
Du kannst diese Rolle irgendwann so gut, dass kaum noch auffällt, wie viel von dir darin eigentlich noch vorkommt. Und das Schwierige ist, dass dir Nähe deshalb nicht egal ist. Du willst sie ja. Nur fühlt sie sich irgendwann anders an, wenn sie fast ausschließlich davon lebt, dass du sie herstellst. Wenn du immer wieder diejenige bist, die auffängt, zusammenhält oder den nächsten Schritt auf den anderen zu macht.
Dann kann etwas Merkwürdiges passieren: Du wirst gesehen. Vielleicht sogar sehr genau. Nur nicht unbedingt als die Person, die du inzwischen geworden bist, sondern als die Version von dir, auf die andere sich verlassen können.
Irgendwann reicht genau das nicht mehr.
Wie viel davon bin eigentlich noch ich?
Bei „Die Unnahbare“ wollte ich diesen Zustand nicht über eine Frau erzählen, die sich versteckt. Es ist eher das Gegenteil, denn sie sitzt mitten im Licht, hinter ihr steht die Menge. Viele Blicke, Erwartungen, Menschen, die sie sehen können. Ihr eigener Blick geht nach außen und lässt Nähe zu. Gleichzeitig bleibt ihre Haltung kontrolliert. Sie zeigt sich, ohne sich vollständig preiszugeben. Und dann ist da dieser Schatten.
Wenn du genauer hinsiehst, stimmt er nicht. Nicht in der Richtung und nicht in der Form. Das ist bewusst so. Die Menge kann die Frau betrachten, ihre Haltung, ihr Kleid und ihren Blick, und trotzdem ergibt das, was sie sieht, kein vollständiges Bild.
Vielleicht mag ich deshalb den Titel „Die Unnahbare“ so sehr. Nicht, weil sie niemanden an sich heranlassen will. Sondern weil sie nicht mehr automatisch alles von sich zur Verfügung stellt, nur damit eine Rolle weiterhin funktioniert.
Sie bleibt sichtbar. Aber sie bestimmt selbst, wie nah dieser Blick kommen darf.
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