Meine Technik: Wenn Farbe Zeit braucht
Ich arbeite fast immer mit Öl. Es ist das Material, mit dem ich mich beim Malen am wohlsten fühle.
Was ich daran besonders mag, ist die Zeit, die mir die Farbe lässt. Sie bleibt lange offen. Ich kann sie auf der Leinwand bewegen, zwei Töne ineinanderarbeiten, eine Kante wieder weicher machen oder eine Pinselspur bewusst stehen lassen.
Gerade dieses Arbeiten in der noch nassen Farbe mag ich sehr. Vieles entscheidet sich für mich erst auf der Leinwand. Ein kühler Ton kommt in die Haut, daneben etwas Wärmeres, und erst dort sehe ich, wie beides miteinander funktioniert.
Direkt und in Schichten
Ich mag an Öl, dass ich damit sehr unterschiedlich arbeiten kann.
Hintergründe entstehen bei mir oft ziemlich direkt. Ich setze größere Flächen, arbeite die Farben ineinander und versuche, nicht länger daran herumzumachen als nötig.
Besonders gern arbeite ich, wenn mehrere Bereiche noch nass sind. Dann setze ich zum Beispiel einen kühleren Ton neben einen warmen Hautton und gehe mit dem Pinsel noch einmal durch die Kante. Ein Teil verbindet sich, ein anderer bleibt sichtbar. Ich kann etwas Wärme dazugeben, Farbe wieder wegnehmen oder den Übergang fast verschwinden lassen.
Genau das liebe ich an Ölfarbe. Sie ist noch beweglich. Eine kleine Veränderung ist sofort sichtbar und ich kann direkt darauf reagieren.
Andere Bereiche baue ich über mehrere Durchgänge auf. Nach dem Trocknen kann ich wieder hineingehen, einzelne Stellen genauer setzen oder mit einer dünnen Lasur nur die Farbwirkung verändern, ohne das darunterliegende Bild wieder zuzudecken.
Mal arbeite ich deckend, mal sehr dünn. Manche Pinselspuren bleiben sichtbar, andere verschwinden fast vollständig.
Dass all das mit demselben Material möglich ist, gefällt mir.
Bei Haut merke ich es am stärksten
Bei Haut zeigt sich für mich wahrscheinlich am deutlichsten, warum Öl so gut zu meiner Arbeitsweise passt.
Ich benutze keine fertige Hautfarbe. Die Mischungen entstehen für jedes Bild neu.
Eine Figur unter Wasser braucht andere Töne als eine Figur im warmen Licht. Und sobald sich die Umgebung verändert, verändert sich auch die Wirkung der Haut.
Auf meiner Palette liegen deshalb meistens mehrere Mischungen gleichzeitig.
Am Anfang sind es noch einzelne Farben. Dann ziehe ich kleine Mengen zusammen, gebe Weiß dazu, etwas Blau, Umbra, vielleicht Violett. Ein bisschen wärmer. Wieder etwas kühler.
Irgendwann liegen dort Töne nebeneinander, die für sich teilweise überhaupt nicht nach Haut aussehen. Und dann gibt es diesen Moment, in dem eine Mischung einfach stimmt.
Ich nehme sie mit dem Pinsel auf, setze sie ins Bild und sehe sofort, was sie dort macht. Durch die Farbe darunter oder die Töne daneben verändert sie sich oft noch einmal.
Genau das macht mir Spaß.
Am Ende hat jedes Bild seine eigene kleine Palette. Das Mischen gehört für mich deshalb genauso zum Malen wie die Arbeit auf der Leinwand selbst.
Farbe darf Farbe bleiben
Ich male emotional realistisch. Meine Figuren sollen anatomisch funktionieren, Licht und Volumen müssen stimmen.
Trotzdem möchte ich nicht alles bis ins letzte Detail ausarbeiten. Mir ist vor allem wichtig, dass der Moment in dem meine Figuren sich befinden rüberkommt.
Bei Haaren interessieren mich zuerst die großen Formen. Wo liegt das Licht? Wo wird die Masse dunkel? Wo braucht es überhaupt eine klare Kante?
Wenn das stimmt, brauche ich oft nur wenige einzelne Strähnen.
Bei Haut ist es ähnlich. Die unterschiedlichen Töne dürfen sichtbar bleiben. Manche Übergänge werden sehr weich, andere etwas deutlicher.
Ich mag es, wenn man noch sieht, dass da Farbe auf Leinwand liegt.
Je länger ich male, desto weniger habe ich das Bedürfnis, jede Fläche komplett auszuarbeiten.
Meine Farben
Ich habe ziemlich viele Farben im Atelier, benutze für ein einzelnes Gemälde aber nur einen Teil davon.
Blau, Petrol, Grau und Violett tauchen bei mir häufig auf. Dazu kommen wärmere Töne und immer wieder Rot.
Trotzdem sieht meine Palette bei jedem Werk anders aus.
Ich stelle sie passend zum Bild zusammen und mische daraus weiter. Manche Kombinationen benutze ich später wieder. Andere brauche ich nur für ein einziges Gemälde.
Ich verbringe gern Zeit an der Palette. Mich interessiert, wie sich ein Grau verändert, wenn noch etwas Violett hineinkommt. Wie ein kühler Hautton neben einem Rot aussieht. Oder wie wenig von einer Farbe manchmal nötig ist, damit sich eine ganze Mischung verändert.
Oft sind es genau diese kleinen Unterschiede, die am Ende viel ausmachen.
Acryl benutze ich nur noch für Farbstudien
Acryl gehört trotzdem noch zu meinem Atelier, nur nicht mehr zu meinen fertigen Gemälden. Meine ersten Gemälde sind in Acryl gemalt und ich schätze sie ebenso wie meine Ölgemälde.
Acryl benutze ich am häufigsten für Farbstudien.
Dafür ist die schnelle Trocknung ideal. Ich kann ausprobieren, wie Haut, Hintergrund, Kleidung oder einzelne Akzentfarben miteinander funktionieren, ohne zwischen den einzelnen Schritten lange warten zu müssen.
Bei einer Farbstudie geht es mir nicht darum, schon genauso zu malen wie später auf der Leinwand. Ich möchte sehen, ob die Richtung stimmt.
Passt das Rot wirklich zu diesem Petrol? Ist der Hintergrund zu kühl? Hebt sich die Figur genug ab? Funktioniert die gesamte Farbwelt zusammen?
Für solche Fragen mag ich Acryl.
Wenn es an das eigentliche Gemälde geht, arbeite ich mit Öl.
Da möchte ich wieder genau das haben, was mir Acryl bei einer schnellen Studie nicht geben muss: Zeit.
Wenn Farbe Zeit braucht
Das ist wahrscheinlich der einfachste Grund, warum Öl mein Medium geworden ist.
Ich mag es, einen Bereich direkt malen und einen anderen über mehrere Tage aufbauen zu können. Ich kann Farben auf der Leinwand noch verändern, eine Schicht trocknen lassen und später wieder darauf zurückkommen.
Ich kann sehr genau arbeiten, ohne überall ins Detail gehen zu müssen.
Und ich kann während des Malens auf das reagieren, was tatsächlich auf der Leinwand passiert.
Genau so arbeite ich am liebsten.
„Die Zeit ist in den Bildern verborgen.“