Im Gespräch: Mein künstlerischer Weg
Wann hast du gespürt, dass Kunst wirklich zu dir gehört?
Im Mai 2025. Es gab einen Nachmittag, an dem ich einfach angefangen habe zu malen, ohne Plan, ohne Ausbildung, ohne zu wissen, wohin es geht. Am Ende blieb ein Bild da, und ich war nicht mehr ganz dieselbe. Ich wusste in dem Moment nur eins: Ich wollte nicht länger zusehen, wie mein Leben an mir vorbeizieht.
Was hat dir das Malen gegeben, was dir vorher gefehlt hat?
Eine Stimme. Es gab Dinge, die ich erklären konnte, ohne dass ich je das Gefühl hatte, sie damit wirklich zu treffen. Im Bild ging das anders. Etwas durfte einfach da sein, ohne dass ich es vorher sauber in Worte fassen musste.
Was ist dein Spezialgebiet und warum hast du es gewählt?
Ich male stilistisch, meistens Frauen. Ich nenne es gerne “emotionalen Realismus”. Nach dem ersten Bild hab ich einen Malkurs angefangen und dabei meine Liebe zu Ölfarben entdeckt. Landschaften haben mir aber bald nicht mehr gereicht. Ich wollte Frauen, Symbole, Zustände. Meine Figuren sind keine Porträts. Sie tragen etwas, das größer ist als eine einzelne Person.
Für wen machst du Kunst?
Für Menschen, die spüren, dass sie mehr gesehen werden dürfen, egal ob es um einen seelischen oder einen körperlichen Zustand geht, den sie selbst noch nicht sortiert haben. Ich glaube, dass viele das fühlen, was ich fühle. Nicht dieselbe Geschichte, aber denselben Zustand.
Was möchtest du zeigen, wenn sich das Leben wie ein Wartezimmer anfühlt?
Viele von uns behandeln ihr Leben wie ein Wartezimmer, sobald etwas unklar ist. Wir warten auf die Antwort, die Besserung, die Entscheidung, bevor wir uns erlauben, wirklich weiterzuleben. Aber das Leben pausiert nicht, nur weil wir es tun. Genau das will meine Kunst zeigen: Wir leben trotzdem. Mitten in der Unklarheit. Und auch wenn der Körper gerade nicht mitspielt, dürfen wir unsere Würde behalten. Nicht trotz der Belastung. In ihr.
Welche Wirkung soll deine Kunst auf den Betrachter haben?
Ich will nicht, dass ein Bild etwas löst. Ich will, dass du dich darin wiedererkennst. Dass du für einen Moment merkst: Das kenne ich. Das reicht mir schon.
Wie sah dein allererstes Bild aus?
Eine Landschaft. Ein Farbverlauf, Berge, ein Mond. Sie hängt heute privat, nicht öffentlich.
Was unterscheidet eine künstlerische Übersetzung im Auftrag von einem klassischen Auftragsbild?
Ich male keine Wunschliste ab. Du bringst mir einen Ausgangspunkt, ein Lied, eine Erinnerung, einen Zustand, den du selbst noch nicht benennen kannst. Ich suche darin, was der eigentliche Kern ist, und übersetze diesen in meine Bildsprache. Am Ende ist das Werk erkennbar deins und trotzdem eigenständig von mir.
Gibt es ein Thema, das sich durch alle deine Bilder zieht?
Übergänge. Meine Figuren stehen selten am Anfang oder Ende von etwas, sie stehen mittendrin. Zwischen Entscheidung und Verzicht, zwischen Nähe und Rückzug, zwischen Anspannung und Erholung, die nie ganz vollständig kommt. Das gilt für seelische Zustände genauso wie für körperliche. Das war schon im allerersten Bild so, auch wenn ich es damals noch nicht so genau wusste.